Digitalität in der Logisticbranche

Die Logistikbranche gilt als eine der konservativsten in ganz Deutschland, obwohl gerade dort größere Rationalisierungen als in anderen Branchen möglich bzw. notwendig sind.

Anfang / Mitte der 80er Jahre  dominierten noch probrietäre Betriebssysteme auf IBM /34 und IBM /36 Systemen das Geschehen bei Großspeditionen wie K+N, Schenker, Danzas usw.

Der Bildschirm war schwarz/weiß oder bernsteinfarbig und die Anwendung konnte nicht mehr, als Frachtpreise auszurechnen und Frachtrechnungen zu produzieren. Das aber zu einem Preis von damals DM 150.000,00 für das Grundsystem und DM 350.000,00 für die IBM Hardware.

 

Dennoch war das eine enorme Rationalisierung gegenüber der manuellen Frachtberechnung, zumal man alleine für die manuelle Entfernungsermittlung im „Kreuz + Quer16 Möglichkeiten ermitteln und die kürzeste Entfernung nach geltendem Frachtrecht nutzen musste. Die Entfernungen basierten nicht auf Straßen-, sondern paradoxer Weise auf Bahnkilometer und für die Frachtberechnung mussten 50 cm große Festplatten im System getauscht werden, wobei die Berechnung im Batch (Hintergrund) ablief und die ganze Nacht dauerte.

Dennoch, am nächsten Morgen hörte man den Drucker arbeiten und man war nicht mehr 1-2 Monate gegenüber der manuellen Frachtberechnung hinterher.
Sicher, Grafik gab es noch keine. Die Programme waren textorientiert und mehr als 40 Zeichen passten nicht auf eine Zeile am Bildschirm.

Von daher wurde die Korrespondenz noch mit Schreibmaschine, bei manchen vielleicht sogar mit einer elektrischen Kugelkopf IBM geschrieben.

Das waren die Anfänge in der Spedition.
1985 wurde der Intel 80385 (385er) Prozessor für PC`s vorgestellt. Der PC kostete damals pro Stück DM 15.000,00 . Doch dieser und die darauf folgenden Prozessoren haben die bis dorthin dominierenden IBM-Systeme bis 1995 verdrängt und den PC weltweit zum Durchbruch gebracht.

Die Frachtkostenoptimierung nach KVO (Kraft-Verkehrs-Ordnung) als Stern- und Kettenoptimierung war ab etwa 1988 das absolute Zugpferd, PC`s und Speditionsprogramme zu verkaufen.
Die Frachtkostenberechnung für einen kompletten LKW mit 3 Be- und 3 Entladestellen dauerte bei einem guten Mitarbeiter Stunden.

Das alles war für die Vertriebler der IBM Systeme viel zu kompliziert und die Branche zu konservativ. Deshalb war sie vertriebstechnisch bei IBM oftmals nicht besetzt und Consultingunternehmen wie z.B. Dr. Städtler Nürnberg konnten sich genau in dieser Nische etablieren.

Aber ein PC mit  Intel 385er Prozessor berechnete die Stern- und Kettenoptimierung in 7 Sekunden und das nicht im Batch (Hintergrund) in der Nacht, sondern im Dialog.
Das war der Durchbruch der EDV -Einführung für die 45.000 KMU Speditionsunternehmen und gegenüber den IBM-Systemen auch noch bezahlbar !

Das alles ist 30-40 Jahre her und die Frage stellt sich, wie es in den Logistikunternehmen – wie sich die Speditionen schon lange nennen – digitaltechnisch heute aussieht ?

Genau da gibt es erheblichen digitalen Nachholbedarf, zumal die  Disposition in den meisten Logistikunternehmen,  35 Jahre nach PC-Einführung,  immer noch manuell gemacht wird, obwohl die Dispoprogramme zur Verfügung stehen.

Und das nicht allein, hunderte, tausende DIN A4 Ordner werden jedes Jahr neu angelegt und die manuellen Archive laufen über. „Ich hab das Papier lieber in der Hand“ sagte ein Inhaber einer Spedition unlängst, nachdem ich ihm ein DMS (Dokumenten-Management-System) präsentierte, was hinsichtlich der Aussage symptomatisch für diese Branche zu sein scheint.

Der komplette Prozess muss digitalisiert werden. Er beginnt bei der Auftragsübermittlung des Auftraggebers, geht über die Abholung der Sendung, der Beladung, dem Transport ins Umschlagszentrum des Logistikunternehmers, dem Umschlag in der Halle, dem Hauptlauf, wieder erneut dem Umschlag in den unterschiedlichen HUB`s und endet letztendlich mit der Sendungszustellung, soweit es sich um Sammelgut handelt. Im Teil- und Komplettladungsbereich oder dem Vor- oder Nachlauf bei Überseesendungen ist das nicht anders.

Auch Telematik ist ein Thema, das zu wenig genutzt wird.  Ist es vorhanden, wird es nur zu 10 % für die visuelle Betrachtung am Bildschirm verwendet. Oftmals werden die Fahrerdaten nach 28 Tagen noch von „Rentnern“ manuell vom Digitalen Tachographen auf einen USB Stick geladen und ins Büro für das Einlesen in eine Anwendung gebracht, obwohl das die Telematiksysteme während der Fahrt automatisch in die Cloudportale der Anbieter hochladen können, damit sie bei Kontrollen der Polizei sekundengenau zur Verfügung stehen.

Telematik ist nicht Telematik. Sie kann einerseits beim LKW Kauf direkt vom Fahrzeughersteller geordert oder im Nachhinein durch entsprechende Anbieter eingebaut werden.

Telematik kann aber noch viel mehr. Werden die Telematik-Blackboxen zusätzlich an den CANBUS angeschlossen, sieht der Anwender live den tatsächlichen Dieselverbrauch der einzelne Fahrzeuge, die dann auch graphisch zur Verfügung stehen.  Für die Auflieger und/oder Wechselbrücken und Container gibt es Telematikboxen, damit Zugmaschine und Auflieger gesehen oder abgestellte Auflieger gefunden werden.

Das „Papierlose Büro“ ist schon lange möglich.

Die DIGITALITÄT in der Logistikbranche steht für einen breiten Bereich zur Verfügung. Sind die bisher beschriebenen digitalen Systeme installiert und eingebaut, kommt der wesentliche Prozess, die Automatisierung der Prozessschritte !

Täglich wiederkehrende manuelle Arbeitsschritte sind in dieser Betrachtung „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen„, denn sie sollten in

DMS-Systemen (Dokumenten-Management-System) durch die „Workflow`s“ automatisiert werden. D.h., nach dem Scannen eines bestimmen Papierbeleges, z.B, einer Eingangsrechnung, wird diese automatisch auf dem Bildschirm des Mitarbeiters zur Freigabe angezeigt, der genau für diese Rechnung fachlich zuständig ist.

Der Workflow prüft die Rechnung am Bildschirm und gibt sie danach durch einen digitalen Stempel frei. Sie wird automatisch digital kontiert und in das vorhandene Buchhaltungssystem  gebucht. Die Kontierung ist natürlich auf dem Beleg in einer sogenannten Schicht für den Anwender sichtbar. Die Rechnung selbst bleibt dabei unverändert, wie es die GoBD vorschreibt.

Auch die Zahlungsgewohnheit des Anwenders ist berücksichtig und wird im OP (Offene Posten) Lauf durch den Workflow berücksichtigt.

Anschließend erfolgt die 10-jährige Archivierung der Rechnung am sinnvollsten in einen Cloudspeicher, der in der BRD etabliert sein sollte.

Dieser DMS Workflow-Prozess einer Eingangsrechnung ist nur beispielhaft und trifft für alle Papierdokumente eines Logistikunternehmens zu, damit keine DIN A4 Ordner mehr notwendig werden.

Auch in diesem Fall gilt, „DMS ist nicht DMS„.  Die Workflow-Prozesse können bei einigen Anbieter selbst graphisch per Maus definiert werden, bei anderen muss ein Consulter des Anbieters kommen, der tausende Euro kostet.

Eine DMS-Anwendung für 10 Arbeitsplätze kann € 80.000,00 oder € 1.480,00 zuzüglich Installation und Schulung kosten, ist aber inhaltlich vergleichbar.

Je intuitiver eine Anwendung dafür ist, je schneller wird sie von den Mitarbeitern genutzt.

Der digitale Prozess im Logistikunternehmen begann in diesem Bericht bei der Sendungsanmeldung des Auftraggebers. Er endet über alle automatischen digitalen Arbeitsschritte im Archiv der DMS Anwendung.

Dann ist das Logistikunternehmen „durchdigitalisiert“ und bleibt auch in den kommenden 10 Jahren und mehr erfolgreich ! Also packen wir es an !

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an mich !

 

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