Motorrad fahren

In Zeiten von Verboten und Einschränkungen kam mir der Gedanke, einmal darüber nachzudenken, was Motorrad fahren für mich und vielleicht auch für alle anderen Biker, oder zumindest für die meisten, bedeutet.

Der Gedanke, was Motorradfahren für mich bedeutet, kommt mir immer wieder. Deshalb will ich versuchen, es nachfolgend zu beschreiben.

Zumindest meine BMW K1300S ist mit ihren 175 PS und 140 nm eine unbändige Maschine, da sie eine Kraftentfaltung mit ihren Beschleunigungswerten von 2,9 Sek auf 100 km/h und 7,8 auf 200 km/h hat, die unbeschreiblich ist.

Ausgereizt hab ich das noch nie, vielleicht 90% davon, was schon ein unbeschreibliches Gefühl ist. An die angegebene Endgeschwindigkeit von 285 km/h bin ich mit 270 km/h auf der Autobahn nach Leipzig zu meinem Sohn herangekommen. Mehr ging nicht, was den voll gepackten und ausgefahrenen Sportkoffern geschuldet ist. Da hatte ich auch Bedenken, ob die Kofferhalterung das aushält, was sie letztendlich hat.

Erstaunlich war, dass ich bei dieser Geschwindigkeit auf der 3-spurigen AB keinerlei Angst hatte. Die Kräfte, die dabei walten, wurden in einer langgezogenen Rechtskurve deutlich, die eine heftige Schräglage erforderte.

Das hatte ich so nicht erwartet und von daher ist mir ein kräftiger Respekt in Erinnerung. Die meisten Motorradfahrer meinen, auf einer Autobahn fahren ist langweilig. Das mag beim Crusen mit 120/140 km sein, aber nicht bei der zuvor beschrieben Geschwindigkeit.

Von meinen 30.000 Motorradkilometern, die ich bisher jährlich fuhr, waren 28.000 km auf der Landstraße. Die K13S kann beides in einer Perfektion, die nur vom Fahrer beeinflusst wird.

Doch zurück zur Frage, was Motorradfahren für mich bedeutet.

Ich sitze bei sonnigem Wetter, die Sonne im Rücken, auf meiner Maschine, ständig im Kampf, ob ich sie oder sie mich beherrscht. Dabei spielen Geschwindigkeiten gar nicht die Rolle, da zwei meiner Unfälle mit 35 + 50 km/h passierten.

Meine Sinne und Aufmerksamkeit sind bis zum Limit angespannt und immer auf der Beobachtung, ob Querverkehr, vor allem von Traktoren, zu befürchten ist.

Meine Arme sind locker am Lenker und meine Körperspannung hält mich leicht nach vorne gebückt auf dem Sitz. Ich lenke meine K13S überwiegend mit dem Körper und fühle mich so eins mit meiner Maschine, die jeder Lenkbewegung meines Körpers mit Leichtigkeit folgt.

Und dann kommen sie, die Kurven, nach denen sich jeder Motorradfahrer sehnt. Am Einlenkpunkt löst du die Bremse und legst dich in die Kurve mit dem Gefühl der Freiheit, die jeder erleben möchte. Du spürst die gewaltigen Fliehkräfte und weißt, deine Maschine kann das und lässt dich nicht im Stich. Du hast die besten Reifen aufgezogen, die in der Saison für deinen Fahrstil getestet wurden.

Diese Souveränität muss man sich natürlich erarbeiten und wenn man sie hat, fühlt man sich, als wär man der Größte, dem keiner was kann. Man ist mit seinem Bike verschmolzen und hat die Sicherheit, als würde man auf den eigenen Beinen um die Kurve rennen. Dabei hat man den Respekt der möglichen Gefahr nicht verloren.

Am Kurvenscheitelpunkt angekommen gibt man wieder Gas und hört dabei das Dröhnen des Motors, der sein Bestes aus dem Akra Auspuff zaubert. Jetzt hast du genau den Punkt erreicht, der dir ein Wow unter Helm entlockt und bei dem du genau das spürst, das Motorradfahren so einmalig macht.

Die nächste Kurve kommt und deine Anspannung wächst wieder und wandelt sich beim Beschleunigen aus der Kurve heraus erneut in Glücksgefühle der Freiheit. Du geniest die Düfte der Wiesen und Wälder und siehst die Landschaft mit Augen, die einem Autofahrer gänzlich verschlossen bleiben.

Das könnte unendlich so weitergehen, ohne dass es langweilig werden würde. Doch nach 10 Stunden Landstrasse steuert man einen Landgasthof an, der im besten Fall auch eine Gartenwirtschaft hat, in der auch andere Biker sitzen, mit denen man seine Erfahrungen austauschen kann.

Wenn man sich nach ein paar Getränken, jeder nach seinem Geschmack, dann ins Bett legt, bemerkt man immer noch sein Grinsen unterm Helm!

Das ist Motorradfahren mit 68 Jahren für mich !

 

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